Bitte lasst mich einfach Frau sein!

Ich bin noch zu der Zeit aufgewachsen, als man im Kanton Appenzell Ausserrhoden kein Frauenstimmrecht hatte, der Kanton St.Gallen das Konkubinat noch nicht erlaubte und ich als 25-Jährige eine der ersten Kaderfrauen war. Ich kann also mitreden, wenn es darum geht, dass Frauen Schritt für Schritt die gleichen Rechte zugestanden wurden.

Die gleichen Rechte für Frauen sind meiner Meinung nach die Basis der Menschenrechte. Denn ein Mensch kann eine Frau sein oder ein Mann. Dies zu regeln war wichtig und ist in der Schweiz wohl mehrheitlich getan. Emotional einer Frau die gleichen Optionen einzugestehen, das haben wir auch ziemlich gut geschafft. Ich kann nämlich denken, dass ich das selbe kann und darf wie ein Mann. Aber. Gedanken in die andere Richtung fallen mir schwer. Wenn ich einen 35-jährigen, gutaussehenden Mann mit Kinderwagen und Einkaufstüten am Donnerstagnachmittag um 14h00 sehe, fragt mein Hirn ohne zu zögern: «Hat der keinen Job?» Das muss man sich mal reinziehen. Ich beanspruche für mich alle Rechte aber ich gestehe sie einem Mann nicht automatisch zu. Faszinierend, oder?

Wir haben viel dafür getan, dass Frauen im Kopf anders denken können und dürfen. Es ist für uns Frauen zum Beispiel denkbar geworden, Mutter und Businessfrau zu sein. Was wir ganz vergessen haben ist, die Männer mitzunehmen in diesem Gedanken-Change. Es gibt nicht mehr Floristen oder Kindergärtner oder Synchronschwimmer. Scheinbar war die Welt für die Männer «vorher» in Ordnung und wir Frauen hatten einfach unsere Probleme damit. Dass nun aber ein Berg von Männern gar nicht mehr weiss, was es heisst, ein Mann zu sein und wir Frauen auch nicht mehr wissen, was Frau sein bedeutet, darunter leiden wir alle.

Heute sind wir soweit, dass ich als Frau jede Ausbildung machen kann, mich für jede Position bewerben kann, den gleichen Lohn fordern kann und dabei Frau bleiben darf. Ähm. Stopp. Frau bleiben? Ist das dieses Wesen, was in ihrer weiblichen Art Männer fasziniert? Oder ist das die Art von Frau, die sich wie ein Mann verhält, sich so kleidet und möglichst auch so denkt und handelt?

Wenn ich Frau bleiben will, dann fasziniere ich. Und das führt zu Blicken und – ach ja- heute darf man(n) das ja nicht mehr, zu Komplimenten. Selbst ein «Wow, ein schönes Kleid» wird heute einem Mann als #metoo angehängt. Was für ein Irrsinn! War das wirklich die Idee der Emanzipation? Oder ist es nur ein ungeplanter Nebeneffekt?

Ich will eine Vollblutfrau sein, ich will schöne Kleider tragen, zeigen was ich habe. Gefallen. Nicht billig. Oh nein. Aber ich bin stolz auf meinen Körper, liebe ihn jeden Tag mehr und dann soll ich wie ein Mann sein? Und wenn ein Mann sagt «Du siehst super gut aus!» dann soll ich ihn mit mörderischen Blicken darauf hinweisen, dass er gerade wieder in die #metoo-Falle getappt ist?

SCHEISS DRAUF. Dieses faszinierende Spiel des Flirtens gehört zum Salz des Lebens. Es tut uns allen gut: Männlein und Weiblein. Und glauben Sie mir. Ich kenne die Grenzen des Flirtens sehr genau. Mein Mann kann sich zu 100% auf mich verlassen.

Ich glaube, wir haben mit der «Entsklavung» der Frau die «Versklavung» des Mannes provoziert. Männer sind keine Männer mehr. Sie nehmen sich nicht mehr, was ihnen zusteht. Sie dürfen nicht mehr laut sein, nicht mehr bestimmend sein und auch nicht mehr fasziniert sein. Aber wir Frauen dürfen zum Beispiel Muskeln haben wie Männer. Ich kenne keine Frau in meinem Umfeld, die sich nicht wünscht, einen «richtigen» Mann neben sich zu haben. Einen «richtigen» Mann im Bett zu haben. Wie soll das aber gehen, wenn wir ihnen geistig die Eier abschneiden?

Den Frauen die gleichen Rechte zu geben wie den Männern oder anders gesagt, die Menschenrechte für alle einzuführen, das war notwendig. Aber jetzt sollten wir schnellstens damit anfangen, dass Männer wieder Männer sein dürfen und Frauen wieder Frauen. Ich meinerseits habe mehr als nur Bock darauf, dass ich mich einfach fallen lassen kann, mich auf ihn verlassen kann, dass ich in meiner Weiblichkeit dienen kann. Ich möchte mich schön machen, intuitiv, spirituell, verträumt, romantisch und unlogisch sein. Und dabei trotzdem selbständig, selbstbewusst und selbstbestimmt. Einfach nur Frau.

Es lebe der Unterscheid zwischen MANN und FRAU!

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