4. Juni 2019

Camino Primitivo – mehr als Wandern ist es ja nicht

Soviel vorweg. Diese angedrohte Treppe meines Mannes gab es nicht. Es gab eine Treppe. 20 Stufen. Aber die waren für die Überquerung eines Bahngleises und ich habe sie locker flockig geschafft. So ein Schuft! Ok, Es gab noch eine. Diese war die Hölle. Sie forderte mich die letzten 1000 Meter. Meine Beine waren schwach und zittrig.

Letzte Treppe vor Grado mit über 20 km in den Oberschenkeln.

Ich habe ein paar ganz wichtige Erkenntnisse gewonnen. Erstens. Wenn du oben schläfst, solltest du unbedingt VORHER a) deine Ohrringe ausziehen b) das Handy versorgen c) dir überlegen, wie du LEISE zur Toilette kommst. Davon abgesehen war dieses Erlebnis vom Kajütten-Bett «oben-schlafen» einfach nur HERRLICH. Ich war ganz einfach irgendwie Kind und in meiner kleinen Welt.

Nun denn. Es war wie es ist und ich hatte diese meine erste Etappe vor mir. Von Oviedo nach Grado, irgendwie etwas über 25 km. Mal schauen, wie es mir geht.

Ich war sehr erstaunt darüber, wie locker flockig das alles ging die ersten Kilometer. Mein Mann und ich haben die gleiche «pace», was sich wunderbar anfühlt. Er muss nicht warten und ich muss nicht hetzen. WUNDERBAR. Es ist ruhig, Vögel zwitscherten, Grillen zirpen und ich spüre meine Muskeln.

Seit ich für Körperwelten arbeite, habe ich mein Verhältnis zu meinem Körper extrem verbessert. Ich sehe in mich hinein und weiss, wie Muskeln aussehen. Zuerst zwackte mein rechter Oberschenkel. Dann das linke Knie. Der Fuss, die Wade, einfach alles zwickte und zwackte irgendwann und irgendwie. ABER. Es fühlt sich gut an. Gut, weil ich mich lebendig fühle und gut, weil ich erkenne, dass ich mich spüre. Das war nicht immer so. Umso mehr liebe ich und schätze ich das von ganzem Herzen.

Nach 26 km und knapp 6 Stunden sind wir in dieser wunderbaren Herberge angekommen. Duschen ist einfach herrlich nach einem solchen Tag. Und der Nachmittagsschlaf ist für Königinnen. I LOVE IT. Eigentlich kann ich mich gar nicht daran erinnern, was Nachmittagsschlaf ist.

Ich spiegle für mich – Claudia, es ist WUNDERBAR, wie sehr und wie gut du dich selber spürst. Der Camino fühlt sich an wie Wandern. Die Frage stellt sich nun, wandere ich oder pilgere ich? Diese Frage werde ich noch klären.

Buen Camino.

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