Das Elend unserer Gesellschaft ist unsere Konditionierung

Vom ersten Tag an unseres Lebens hören, sehen, schmecken, riechen und spüren wir Dinge, welche unser Verhalten prägen. Unsere Familie prägt uns mit ihrer Einstellung zum Leben, zu Geld, zur Familie, zur Liebe – zu allem. Die Schule gibt uns Normen und Regeln vor. Unser Glaube definiert was Gut und was Böse ist. All dies geschieht ganz ohne unser Zutun in den ersten 14 Lebensjahren. Unsere Grundprägung ist definiert.

Stellen Sie sich eine Tonmasse vor, die von verschiedenen Händen geformt wird.  Die Schöpfer des Tongefässes haben (meistens sehr unbewusst) bestimmt, ob es ein Teller, eine Vase oder ein Honigtopf werden soll. Mit dieser Grundprägung bestreiten wir unser Leben. Sie nehmen wir in alle Lebenslagen mit, ob wir das wollen oder nicht.

Aus den vielen Coachings und Seminaren weiss ich, dass 8 von 10 Menschen eine Gemeinsamkeit in ihrer Grundprägung mitschleppen: Einen geringen Selbstwert und eine schwache Liebe zu sich selbst. Das war von den Schöpfern wohl keine Absicht – sie konnten und wussten es einfach nicht besser. Hinzu kommt leider auch, dass unser Schulsystem darauf aufgebaut ist, Fehler aufzuzeigen und diese zu bestrafen. Auch unsere Religionen sind nicht von Selbstliebe und Selbstverantwortung geprägt.

Das meistgehörte Wort in unseren ersten 14 Lebensjahren ist das Wort „Nein“. Verbunden mit dem Gefühl von Ablehnung oder Liebesentzug. Wir entwickeln in dieser Zeit Strategien, diesem Wort aus dem Weg zu gehen. Der Ursprung unserer Lügen. Der Ursprung dafür, dass wir nicht mehr Fragen stellen. Der Ursprung für unsere unheilvollen Interpretationen.

Als einer meiner Söhne noch in der Unterstufe war, unterhielt ich mich mit einer Mutter eines Schulkameraden. Im Gespräch sagte die Mutter: „Jetzt ist mir klar, warum dein Sohn dich nicht anlügt. Du sagst ja meistens Ja.“ Wie wahr. Erst Monate später habe ich erkannt, wie tief die Wahrheit dieses Satzes gründet. Natürlich sag ich nicht zu allem Ja und Amen. Im Gegenteil. Aber ich sage nicht vorbehaltslos ja.

Stellen Sie sich nun vor, dass Sie in Ihrer Grundprägung drin haben, dass Sie nichts wirklich Wichtiges zu sagen haben. Das kann sehr sehr subtil geschehen, indem man Ihnen zum Beispiel kein Gehör geschenkt hat (oder Sie haben es so interpretiert). Wie um Himmels Willen sollen Sie dann jetzt als Erwachsener vor Menschen stehen können und davon überzeugt sein, dass Sie was „zu sagen haben“? Kein Wunder also, dass Sie nicht kraftvoll vor Menschen stehen können oder ihre Gestik nicht über Ihre Körperbreite hinaus kommt.

Beginnen Sie damit, Ihre Selbstliebe wachsen zu lassen. Starten Sie damit, dass Sie erkennen, wie wunderbar Sie sind. Und nein. Dies ist kein esotherischer Krimskrams. Es geht um Ihre Konditionierung. Es geht darum, dass Sie anders über sich denken und damit andere Erfahrungen in Ihrem Leben machen werden. Kaufen Sie sich ein schönes Notizbuch und einen Schreiber, der Ihnen wunderbar in der Hand liegt. Starten Sie den Morgen oder beenden Sie den Abend damit, dass Sie eine neue Seite aufschlagen und folgenden Satz schreiben:

„Ich bin sehr stolz auf mich, weil …“

Darunter notieren Sie drei Gründe. Dies ziehen Sie einen Monat lang durch. Jeden Tag. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag,  Samstag und Sonntag. Jeden Tag. 30 Tage lang.

Nach wenigen Tagen werden Sie sehen, dass Ihnen nichts Neues mehr einfällt. Das ist der entscheidende Moment. Schreiben Sie trotzdem weiter, auch wenn Sie das Selbe notieren. Dies löst zwar ein negatives Gefühl aus, machen Sie trotzdem weiter. So lange, bis Sie registrieren, dass Ihr Verstand sich tagsüber meldet und denkt: „Achtung! Merk dir das. Es ist etwas für das Achtsamkeits-Tagebuch.“

Es kann durchaus sein, dass Sie länger als 30 Tage brauchen. Ziel ist es, dass Sie erkennen, in welchen vielen kleinen oder grossen Dingen des Alltags Sie wunderbar sind, einziartig, phantastisch. Sie werden zudem erkennen, welche Schönheiten jeder einzelne Tag mit Ihnen vollbringt. Auch in Ihrem Leben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude auf dieser Entdeckungsreise. Und wenn Sie mehr darüber wissen wollen, ich bin da für Sie.

Herzlichst, Ihre Claudia Huber

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