Der erste Eindruck zählt und bleibt? Was für ein Quatsch!

Wir alle kennen diese „Drohung“. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Denn dieser ist richtig, verändert sich kaum und ist wichtig. Irgendwelche Studien behaupten dies schon seit Jahrzehnten. Ich frage mich ernsthaft, wer hat diese Studie gemacht und noch mehr, wer hat sie jemals überprüft. Aber von vorne.

Gehen wir mal davon aus, dass der erste Eindruck der Wichtigste ist und dass sich dieser nicht mehr gross verändert (so wird es zumindest behauptet). Warum haben wir dann eine 50 %-ige Scheidungsrate? Man müsste dann doch sagen: „Hey Schatz. Du bist echt ein Riesenarsch. ABER. Der erste Eindruck, der war mega und weisst du was, der stimmt und er verändert sich minimal. Also kann das nicht falsch gewesen sein. Also irre ich mich. Du bist gar kein Arsch. Ich denke, du bist so wunderbar wie beim ersten Eindruck!“

Das Gegenteil ist der Fall. Ja, wir haben einen ersten Eindruck aber dieser verändert sich laufend. Mit jeder einzelnen Begegnung irgendwelcher Art. Der erste Eindruck ist leider viel viel weniger wichtig, als uns lieb ist, denn welchen Eindruck wir auf jemanden machen, können wir nur sehr bedingt beeinflussen.

Was ist nun zu tun, was kann ich beeinflussen und was nicht? Wichtig ist, dass ich mir bewusst bin, welche Wirkung ich habe. Es ist schwierig, dies ohne Rückmeldungen aus dem Umfeld zu erfassen. Aber Achtung. Die Rückmeldungen müssen von Menschen kommen, welche schonungslos, liebevoll und ehrlich sind in ihrer Kommunikation. Die beantworten können, was nehme ich wahr, wie fühlt es sich an, was gefällt mir, was gefällt mir nicht. Von diesen Menschen gibt es nicht viele. Also hüten Sie sich davor, von jedem x-beliebigen Menschen ein Feedback zu Ernst zu nehmen.

Wenn ich dann meine Wirkung erahnen kann, muss ich mir genau überlegen, welche Hürden ich mit dieser aufbaue oder eben nicht. Ich mache Ihnen ein Beispiel dazu. Ich bin ein direkter, offener Mensch. Wenn mir etwas gefällt, habe ich keine Hemmungen, dies zu sagen. Nehmen wir mal an, ich bin in einem Bewerbungsgespräch, mein Gesprächspartner trägt einen Anzug, der mir sehr gefällt. Aufgrund meiner Art könnte ich nun sagen: „Wow. Was für ein hammermässig schöner Anzug. Steht Ihnen ja so was von!“ Was glauben Sie? Baue ich damit Hürden auf oder ab? In der Tendenz hätte ich in diesem Fall eine Hürde aufgebaut, welche ich mühsam im nachfolgenden Gespräch wieder abreissen müsste.

Verstehen Sie, wie ich das meine? Hinzu kommt noch, dass Sie nicht einmal wissen, welche Erwartungen Ihr Gegenüber an Ihr Verhalten hat. Ok. Zum Glück gibt es ganz viele Standards, die uns sagen, wie wir uns in solchen Situationen zu verhalten haben. Diese stimmen aber in den seltensten Fällen mit unseren echten Erwartungen überein.

Ich persönlich mache dieser Erfahrung immer und immer wieder. Ich gehe an einen Empfang, stehe neben Menschen, die mir nicht gerade ins Herz springen. Aus Höflichkeit kommt man ins Gespräch und dann ist man am Schluss total geflasht, weil diese Menschen so dermassen viel in sich haben, was man beim ersten Blick gar nicht sehen konnte. Und jetzt? Was ist jetzt mit dem ersten Eindruck? Dieser erste Eindruck ist ein Mythos. Ein Märchen.  Denn wir wirken immer, ob wir wollen oder nicht und die Summe der Wirkungsimpulse bildet beim Gegenüber eine Meinung über uns. Ich persönlich habe Menschen in meinem Umfeld, die lieben mich heiss und innig. Es gibt aber auch Menschen, die mögen meine Art nicht, sie finden sie anstrengend und mühsam. Es ist aber die gleiche Claudia. In 10 Jahren kann es sogar umgekehrt sein. Menschen, die mich heiss geliebt haben, suchen Distanz. Und distanzierte sind plötzlich sehr nah. Ein Eindruck ist eine Momentaufnahme. Er hat keinen Bestand. Denn alles verändert sich. Immer. Laufend. Auch wir.

Es gäbe zu diesem Thema noch so viel zu sagen. Ich beschränke mich nun aber auf zwei Punkte.

  1. Überlassen Sie Ihre Wirkung nicht dem Zufall. Ziehen Sie einen Spezialisten bei, der Ihnen hierbei Inputs liefert – zum Beispiel mich. Überlegen Sie sich, welche Wirkungselemente Hürden aufbauen oder Hürden abbauen.
  2. Bedenken Sie, dass Ihr Gegenüber einen Eindruck hat, welchen Sie nicht steuern können. Sie können ihn nur beeinflussen. Mehr nicht.

SIE WIRKEN IMMER und nicht nur beim ersten Mal.

Viel Spass dabei! 🙂

Claudia Huber

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