In 500 Tagen das Leben auf den Kopf gestellt

500 Tage sind rund 16 Monate, 12’000 Stunden oder etwas mehr als 70 Wochen. In 500 Tagen kann man knapp 2 Mal Mami werden, 1’000 Kaffees trinken, 210 Stunden auf dem Laufband schwitzen oder 3’500 Stunden schlafen. Man kann so vieles und was mach ich? Mein Leben auf den Kopf stellen.

Vor 500 Tagen habe ich beschlossen, dass ich in Bezug auf meinen Körper, meinen Geist und meine Seele wachsen will, die beste Version von mir werden will. Ok. Ich gebe es zu. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich dermassen viel verändert. Ich dachte einfach, es wäre gut, mal darauf zu achten, wie ich mich beim Leben so fühle.

Es war mir vor 500 Tagen nicht bewusst, welch mächtiges Instrument so eine Challenge ist. Hätte ich das vorher schon geahnt, hätte ich solche Challenges wohl schon viel früher gemacht. Ich habe mir während 500 Tagen jeden Tag die Mühe gemacht darauf zu achten, wie es sich anfühlt, wenn ich dies oder jenes esse oder Sport treibe. Wie es sich anfühlt, wenn ich meinen Job mache, lese, schreibe oder eine Dokumentation schaue und wie sich das Leben in seinen Alltagssituationen ganz allgemein anfühlt. Ich konnte dabei oft nur zwischen «es fühlt sich gut an» oder «es fühlt sich schlecht an» unterscheiden.

Im Rückblick ist mir klar, dass man mit so einer Challenge in die Veränderung kommen MUSS. Ich habe bitterlich erfahren müssen, dass Veränderung nur über Schmerz geht. Dabei kann dieser Schmerz einfach ein schlechtes Gefühl sein oder aber auch ein intensiv körperlicher Schmerz mit aktivem Widerstand des Verstandes. Das geht gar nicht anders. Ich war somit bereits in der Veränderung, wenn ich bloss merkte, dass mir etwas nicht gut tat oder ich mich bei einer Sache nicht gut fühlte. Wenn ich ganz ehrlich bin: In vielen Fällen merkte ich zum ersten Mal, wie ich mich bei den meisten Sachen fühlte. Warum das so ist? Ganz einfach. Ich war irgendwie nie achtsam mit mir. Ich habe funktioniert, war in Gedankenmustern oder Konventionen gefangen und dachte mir dabei gar nichts, bzw. achtete 0,0 % darauf, was es mit mir macht. Von Fühlen war ich weit entfernt. Wie oft hatte ich den Satz gesagt: «Ich fühle mich gut» oder «Es geht mir super». Herrjeh. Ich war ja so ahnungslos, was eigentlich dahinter steckt.

Während ich nun darauf achtete, wie ich mich bei den unzähligen Dingen des Alltages fühlte, erwachte ich. Ich merkte, dass ich vorher gar nicht bewusst gelebt hatte. Ich lebte sehr unachtsam. Ich bin einfach irgendwie «durchgekommen», habe viele Jahre einfach «funktioniert». Und hey! Ich war nicht die einzige. Um mich herum sind fast alle so. Wir sind irgendwie wie Roboter. Wir leben ein Leben, das von Konditionierungen strotzt. Mit 18 sterben wir innerlich mit unserem Verrücktsein und unseren Ideen und dann warten wir irgendwie auf unsere Beerdigung.

Diese Erkenntnis wuchs mit jedem Tag, bis sie deutlich und mit grossen Leuchtbuchstaben vor mir blinkte wie eine Warnschild. Einerseits war ich für diese Einsicht sehr dankbar, andererseits machte sie mich extrem traurig. Mir wurde klar, dass ich Jahre meines geschenkten Lebens unachtsam vergeudet habe. Erkennt man dies, führt kein Weg mehr daran vorbei, dass man sein Leben verändert. Alles andere wäre Selbstmord in Tagesrationen.

Ich startete die Challenge als kampfgewohnte Frau, die ihr Leben selber steuerte, alles plante und organisierte. Ich hatte sehr oft zu wenig Zeit, um überhaupt meinen Verpflichtungen nachzukommen. Ich war permanent unter Strom, hab meine Jungs nicht selten zurechtgewiesen. Freude am Kochen? Fehlanzeige. Mein Haus zu einem Wohlfühlnest machen? Wann denn. Zudem sehnte ich mich sehr nach einer wunderbaren, liebevollen und ehrlichen Beziehung. Aber ich war immer nur eine Option. Mit Freunden ausgehen, Neues erleben lag gar nicht drin. Und für Sport fehlte mir die Zeit.

Das auf sich achten führte dazu, dass ich klarer wurde und somit härter. Klar im Sinne von, was ich will oder nicht will und härter im Sinne der Abgrenzung oder Konsequenz. Meine Jungs fanden und finden das nicht immer sehr lustig. Denn ich verlange von ihnen, dass sie ihren Beitrag leisten. Viel zu oft dachte ich ,ach egal, ich mag jetzt nicht streiten,. Dabei war die Wahrheit dahinter, dass ich es mir nicht wert war, für meinen Freiraum und meine Ordnung einzustehen. Hart war auch zu erkennen, dass ich mich definitiv nicht liebte. Wer so lebt, liebt sich nicht. Punkt. Ich war es mir nicht WERT, ein gutes Leben zu leben.

Ich erkannte extrem schnell, was ich mir da eigentlich antat. Wie armselig war das doch, dass ich so vieles auf mich nahm, um hin und wieder ein wenig Zuneigung zu bekommen. Um eventuell dieses Gefühl zu bekommen, geliebt zu sein. An jenem Tag, als mir das so bewusst wurde, habe ich mit mir Frieden geschlossen.

Heute, nach 500 Tagen erkenne ich diesen Moment als den «magic moment» meiner Challenge. Da habe ich Schuhe ausgezogen, dir mir viel zu klein waren. Da habe ich neue Erde gefunden und neue Samen gesetzt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Alte Fesseln lösten sich, Wertvolles und Neues wuchs wie Gras nach dem Regen.

Heute sitze ich im Bett eines Motels inmitten von Utah, USA. Ich schreibe diesen letzten Bericht zur 500-days-challenge. Neben mir liegt ein Mann. Mein Mann. Wir haben vor 3 Tagen in Las Vegas geheiratet. Hätte mir jemand am Start meiner Challenge das vorausgesagt, ich hätte ihn ausgelacht. Sehr laut sogar. Ob ich nun in meiner besten Version bin in Bezug auf Körper, Geist und Seele?

Ja, das bin ich. Aber nicht am Ende. Ich behalte die Challenge. Nicht als Challenge sondern als Lebenseinstellung. Ich kann gar nicht mehr anders, als es mir WERT zu sein. Wert zu sein, meinen Körper zu ehren und pflegen. Mir WERT zu sein, geistig zu wachsen, Grenzen zu sprengen, Neues zu lernen. Mir WERT zu sein, die wohl ehrlichste und innigste Liebe zu leben, der ich in meinem Leben begegnet bin: Mir und IHM. Danke Peter Schifflechner.

Ich bin mir unendlich dankbar, dass ich mich auf diese Challenge eingelassen habe. Ich danke ganz besonders meinen beiden Söhnen, die mich immer noch lieben. Ich danke dir Petra, für diese unbezahlbare Freundschaft. Ich möchte dir immer eine gute Freundin sein. Ich danke dir Peter, dass du mir jeden Tag zeigst, wie man sich selber liebt. Dass du mich liebst. Dass ich an deiner Seite das Leben auskoste, verbrauche, lebe, bin. Wir beide sind einfach so: *Fingerkreuz*. Und ich danke allen, die mich irgendwie in einer Art und Weise begleitet haben.

Wenn ich euch etwas wünschen kann – macht eure Challenge.

In Liebe

Claudia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.